Das Frankfurt der Frankfurter
Jenseits von Börse und Flughafen hat die Stadt eine eigene, sehr bodenständige Kultur: Apfelwein aus dem Bembel, Grüne Soße aus sieben Kräutern, eine Markthalle, zwei Volksfeste, der Stadtwald – und ein Dialekt, den man erst einmal verstehen muss.
Apfelwein: Das Stöffche
Frankfurts Nationalgetränk ist kein Bier, sondern vergorener Apfelsaft. „Ebbelwoi“, „Äppler“ oder einfach „Stöffche“ heißt der Apfelwein im Rhein-Main-Gebiet; er hat natürliche 5 bis 7 Volumenprozent Alkohol und schmeckt herb und säuerlich. Serviert wird er aus dem Bembel, einem bauchigen, grau-blau glasierten Steinzeugkrug, der traditionell im Kannenbäckerland im Westerwald hergestellt wird und den Wein kühl hält. Getrunken wird aus dem Gerippten, einem Glas mit Rautenschliff, der dem Griff mit fettigen Fingern Halt gibt – die klassische Größe ist 0,3 Liter, ein „Schoppen“ (frankfurterisch „Schobbe“). Wer ihn mit Mineralwasser verdünnt, trinkt einen „Sauergespritzten“, die verbreitetste Form.
Heimat des Apfelweins ist Sachsenhausen südlich des Mains, besonders das Gassengewirr von Alt-Sachsenhausen rund um Klappergasse und Große Rittergasse, wo sich die traditionellen Apfelweinwirtschaften mit ihren langen Holztischen und den grünen Kränzen über der Tür konzentrieren. 2022 wurde die hessische Apfelweinkultur in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO-Kommission aufgenommen.
Grüne Soße: Sieben Kräuter, eine Stadt
Die Frankfurter Grüne Soße ist eine kalte Kräutersoße auf der Basis von saurer Sahne, Joghurt oder Quark, oft mit hart gekochten Eiern, die klassisch zu Pellkartoffeln oder Tafelspitz gegessen wird. Entscheidend sind die sieben Kräuter, die nach dem Rezept der geschützten geografischen Angabe aus Frankfurt und Umgebung stammen müssen:
- Borretsch
- Kerbel
- Kresse
- Petersilie
- Pimpinelle
- Sauerampfer
- Schnittlauch
Die Saison beginnt traditionell am Gründonnerstag, wenn die Kräuter frisch von den Feldern in Oberrad kommen. Im März 2016 wurde „Frankfurter Grüne Soße“ in das EU-Register der geschützten geografischen Angaben eingetragen. Seit 2008 wird jedes Jahr das Grüne-Soße-Festival ausgetragen, und im Stadtteil Oberrad, dem Anbauzentrum der Kräuter, steht seit 2007 ein Grüne-Soße-Denkmal: sieben Gewächshäuschen, eines für jedes Kraut. Dass Goethes Mutter die Soße erfunden habe, ist eine beliebte, aber nachweislich falsche Legende.
Kleinmarkthalle
Die Kleinmarkthalle an der Hasengasse ist der Bauch der Stadt. Die erste Halle entstand 1877 bis 1879, wurde im März 1944 bei den Bombenangriffen zerstört und 1954 etwa 200 Meter südwestlich des alten Standorts nach Plänen von Günther Gottwald und Gerhard Weber neu gebaut. Auf rund 1.500 Quadratmetern bieten heute mehr als 60 Händler an 156 Ständen Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Blumen und – an vielen Ständen – die fertig gemischten Kräuter für die Grüne Soße an.
Feste im Jahreslauf
Dippemess
Frankfurts ältestes Volksfest geht auf einen Markt des 14. Jahrhunderts zurück, auf dem Töpfer aus dem Westerwald, dem Kannenbäckerland und Urberach ihre Waren anboten – „Dippe“ heißen im Frankfurter Dialekt die irdenen Töpfe und Schüsseln. Heute ist die Dippemess ein Jahrmarkt mit Fahrgeschäften auf dem Festplatz am Ratsweg nahe dem Ostpark: Die Frühjahrs-Dippemess dauert rund drei Wochen um Ostern, die Herbst-Dippemess etwa eine Woche Anfang September. Die Marktstände mit Keramik gibt es noch immer.
Weihnachtsmarkt am Römer
Ein Frankfurter Weihnachtsmarkt ist erstmals 1393 urkundlich erwähnt. Der heutige Markt mit mehr als 200 Ständen erstreckt sich vom Paulsplatz über den Römerberg und das Fahrtor bis zum Mainkai und zählt rund drei Millionen Besucher. Zu den Frankfurter Spezialitäten gehören die Bethmännchen (Marzipangebäck mit drei Mandelhälften), die in Modeln geformten Brenten und die Quetschemännchen, kleine Figuren aus Backpflaumen, Nüssen und Rosinen. Am Samstag vor dem ersten Advent läuten zum „Großen Stadtgeläut“ eine halbe Stunde lang die Glocken aller Innenstadtkirchen.
Grün in der Stadt
Stadtwald
Südlich des Mains beginnt der Frankfurter Stadtwald, seit 1372 im Besitz der Stadt. Mit rund 5.785 Hektar – davon etwa 3.866 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen – gehört er zu den größten kommunalen Wäldern Deutschlands. Eichen (rund 35 Prozent), Kiefern (rund 30 Prozent) und Buchen (rund 22 Prozent) prägen den Bestand. Das StadtWaldHaus am Jacobiweiher, 1995 als Informationszentrum eröffnet, ist um den Stamm einer großen Eiche herum gebaut. Der Wald ist Naherholungsgebiet für die ganze Stadt – und liegt zugleich in direkter Nachbarschaft zum Flughafen.
Palmengarten
Der Palmengarten im Westend wurde am 16. März 1871 eröffnet. Den Grundstock bildeten die tropischen Pflanzen aus der Orangerie des Herzogs Adolph von Nassau, die der Gartenfachmann Heinrich Siesmayer für eine Frankfurter Bürgergesellschaft erwarb. Auf 22 Hektar – damit einer der größten Gärten seiner Art in Deutschland – reihen sich Schauhäuser, das Tropicarium aus den 1980er-Jahren und weitläufige Freiflächen.
Zoo
Der Zoo Frankfurt wurde 1858 eröffnet und ist nach Berlin der zweitälteste Zoo Deutschlands. Seit 1874 liegt er auf dem heutigen Gelände im Ostend; auf 11 Hektar leben rund 470 Tierarten. Von 1945 bis 1974 leitete ihn Bernhard Grzimek, der mit seiner Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ und dem Film „Serengeti darf nicht sterben“ den Naturschutz populär machte.
Frankfurterisch
Der Frankfurter Dialekt gehört zu den rheinfränkischen Mundarten des Hessischen. Typisch sind die fehlenden langen Umlaute ü und ö, die als i gesprochen werden, das dunkle a und die weich gesprochenen Konsonanten: „Bruder“ wird zu „Bruurer“, „Äpfel“ zu „Ebbel“. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Frankfurterische Umgangssprache aller Schichten; heute ist es im „Neuhessischen“ des Rhein-Main-Gebiets aufgegangen. Gepflegt wird es im Volkstheater, in den Apfelweinwirtschaften und in den Versen von Friedrich Stoltze (1816–1891), dem Mundartdichter der Stadt, dessen Zeile „Es will merr net in meine Kopp enei: wie kann norr e Mensch net von Frankfort sei!“ bis heute zitiert wird.
Quellen: Stadt Frankfurt am Main; Wikipedia, „Apfelwein“, „Frankfurter Grüne Soße“, „Kleinmarkthalle“, „Dippemess“, „Frankfurter Weihnachtsmarkt“, „Frankfurter Stadtwald“, „Palmengarten Frankfurt“, „Zoo Frankfurt“, „Frankfurter Mundart“.