Mainhattan: Eine Skyline mit Geschichte
Zwanzig Hochhäuser über 150 Meter stehen in Frankfurt – nirgendwo sonst in Deutschland gibt es eine vergleichbare Silhouette. Wie sie entstand, welche Türme sie prägen und von wo man sie am besten sieht.
Wie die Hochhäuser in die Stadt kamen
Frankfurts Skyline ist jung. Die ersten Türme, die über 150 Meter hinausragten, entstanden erst Ende der 1970er-Jahre: der Silberturm der damaligen Dresdner Bank (1978) und das Plaza-Hotel, heute Westend Gate. Schon in den 1960er-Jahren, als die ersten Bürohochhäuser das Stadtbild veränderten, kam der Spitzname „Mainhattan“ auf – ein Kofferwort aus Main und Manhattan, zunächst eher spöttisch gemeint, heute ein freundlicher Beiname, den die Stadt selbst gern verwendet.
Der eigentliche Schub kam in den 1990er-Jahren. 1991 wurde der Messeturm fertig, 1993 folgten Westendstraße 1 und Trianon, 1997 der Commerzbank Tower. Um das Wachstum zu ordnen, ließ die Stadt einen Hochhausentwicklungsplan erarbeiten, der 1998 vorgestellt und im Jahr 2000 beschlossen wurde. Sein Kern war das Cluster-Prinzip: Hochhäuser sollen in wenigen Verdichtungszonen gebündelt werden – vor allem im Bankenviertel westlich der Innenstadt sowie rund um Messe und Europaviertel –, damit die gründerzeitlichen Wohnquartiere frei bleiben. Fortschreibungen folgten 2008 und 2024; die jüngste Fassung sieht weitere Standorte vor allem im Bankenviertel, am Hauptbahnhof und im Ostend vor.
Das Ergebnis ist eine Skyline, die anders als in vielen amerikanischen Städten nicht gleichmäßig über das Zentrum verteilt ist, sondern wie ein Gebirge aus der flachen Stadt herauswächst – und die deshalb von vielen Punkten aus als Ganzes sichtbar ist.
Die Türme im Maßstab
Fünfzehn der höchsten Gebäude der Stadt, proportional nach Höhe. Die 150-Meter-Marke erreichen derzeit 20 Gebäude, über 100 Meter sind es 43.
Strukturelle Höhe ohne Antennen; Jahr = Fertigstellung. Gelb: höchstes Gebäude. Die gestrichelte Linie markiert 150 Meter – die Schwelle, ab der ein Hochhaus in Frankfurt zu den Wolkenkratzern zählt. Auf schmalen Bildschirmen lässt sich die Leiste seitlich verschieben.
Quelle: Wikipedia, „List of tallest buildings in Frankfurt“ (Stand 2026) und Einzelartikel zu den Gebäuden; Höhen gerundet.
Zehn Gebäude, die die Silhouette prägen
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Commerzbank Tower
Das höchste Gebäude Deutschlands und der EU. Foster entwarf einen dreieckigen Turm mit innenliegendem Atrium und neun spiralförmig angeordneten, 15 Meter hohen Gärten, die als „grünes Hochhaus“ Architekturgeschichte schrieben. Mit Antenne misst der Turm rund 300 Meter.
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Messeturm
Der „Bleistift“ am Messegelände: ein postmoderner Turm aus Granit mit einer 36,6 Meter hohen Pyramide als Spitze. Bei seiner Fertigstellung war er das höchste Hochhaus der Europäischen Union – bis 1997 der Commerzbank Tower ihn ablöste.
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Main Tower
Der einzige Wolkenkratzer der Stadt mit öffentlich zugänglicher Aussichtsplattform: in rund 198 Metern Höhe bietet sie den Rundblick über Stadt, Main und Taunus. Der Turm, 1996 bis 1999 gebaut und im Januar 2000 eingeweiht, besteht aus einem runden Glaszylinder und einem eckigen Riegel; mit Mast misst er 240 Meter.
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Westendstraße 1
Das „Kronenhochhaus“: Ein Kranz aus elf Strahlen bekrönt den Turm, der zusammen mit dem City-Haus die Zentrale der DZ Bank bildet. Mit 208 Metern ist er das vierthöchste Gebäude der Stadt.
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Tower 185
Der Name stammt aus einer frühen Planungsphase mit 185 Metern; gebaut wurden schließlich 200. Der Doppelturm mit vorgelagertem Sockel steht im Gallus an der Grenze zum Europaviertel, nahe der Messe.
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Omniturm
Das erste Frankfurter Hochhaus, das Büros und Wohnungen mischt. Auf halber Höhe – dort, wo die Wohngeschosse liegen – macht der Turm einen „Hüftschwung“: Die Etagen sind spiralförmig um mehr als fünf Meter aus der Achse gerückt und schaffen Terrassen.
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One
Büro- und Hotelturm im Europaviertel auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs. Die umlaufende Dachterrasse in 185 Metern Höhe gilt als höchste Bar eines Hochhauses in Deutschland.
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Europäische Zentralbank
Ein Doppelturm aus zwei gegeneinander verdrehten Scheiben (185 und 165 Meter) im Ostend, verbunden mit der denkmalgeschützten Großmarkthalle von 1928. Die EZB bezog den Neubau im November 2014; die offizielle Eröffnung folgte im März 2015. Zuvor residierte sie seit 1998 im Eurotower an der Willy-Brandt-Anlage.
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Henninger Turm
Der neue Henninger Turm ist ein Wohnhochhaus, dessen Form an den alten Brauerei-Getreidesilo von 1961 erinnert – den Turm mit Drehrestaurant, der 2013 abgerissen wurde. Damit steht erstmals ein markantes Hochhaus südlich des Mains.
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Four Frankfurt
Vier Türme auf dem ehemaligen Deutsche-Bank-Areal zwischen Großer Gallusstraße und Junghofstraße: 233, 178, 128 und rund 105 Meter hoch, mit Büros, Wohnungen, Hotel und Einzelhandel. Der höchste Turm ist seit 2025 das dritthöchste Gebäude Deutschlands.
Quellen: Wikipedia-Artikel zu den einzelnen Gebäuden; Stadtplanungsamt Frankfurt am Main (Hochhausentwicklungsplan).
Von wo die Skyline am besten wirkt
- Eiserner Steg. Die Fußgängerbrücke von 1869 zwischen Altstadt und Sachsenhausen ist der klassische Standort: Die Türme stehen hier dicht hinter den Giebeln der Altstadt.
- Sachsenhäuser Mainufer. Vom Schaumainkai zwischen Eisernem Steg und Friedensbrücke liegt die gesamte Silhouette über dem Fluss – abends, wenn die Türme beleuchtet sind, ein Panorama wie aus dem Lehrbuch.
- Lohrberg. Der rund 185 Meter hohe Hügel im Stadtteil Seckbach ist der einzige verbliebene Weinberg im Stadtgebiet. Vom Lohrpark aus sieht man die Hochhäuser aus der Distanz vor dem Taunus – und erkennt, wie kompakt das Cluster ist.
- Main Tower. Wer die Skyline von innen sehen will, fährt auf die Aussichtsplattform in rund 198 Metern Höhe – die einzige öffentlich zugängliche in einem Frankfurter Wolkenkratzer.