Zwölf Jahrhunderte in Etappen
Furt der Franken, Wahl- und Krönungsstadt, Freie Stadt, Wiege der deutschen Demokratie, Finanzplatz Europas: Frankfurts Geschichte in zwölf Stationen – von 794 bis zur Neuen Altstadt.
Eine Stadt des Reiches
Frankfurt war nie Residenz eines Fürsten und nie Sitz eines Bischofs – der Kaiserdom St. Bartholomäus ist eine Stiftskirche, keine Kathedrale. Die Bedeutung der Stadt lag woanders: Sie war Ort der Reichsversammlungen, der Messen und, ab 1356, der Königswahlen. Als Freie Reichsstadt regierte sich Frankfurt über Jahrhunderte selbst, wurde reich durch Handel und Geldgeschäfte und blieb politisch eng mit dem Reich verbunden. Diese Tradition setzte sich fort, als 1848 die Nationalversammlung hier zusammentrat und als 1998 die Europäische Zentralbank ihren Sitz nahm.
Die Zeitleiste fasst die wichtigsten Etappen zusammen. Die Jahreszahlen sind mit der Geschichtsliteratur und den Angaben des Historischen Museums Frankfurt abgeglichen.
- 794
Erste Erwähnung
Eine Urkunde Karls des Großen vom 22. Februar 794 für das Kloster St. Emmeram nennt erstmals „Franconofurd“, die Furt der Franken. Im Juni desselben Jahres tagt in der Königspfalz eine Synode, die Frankfurt als Versammlungsort des Reiches bekannt macht.
- 1240
Messeprivileg
Kaiser Friedrich II. bestätigt das Privileg der Frankfurter Herbstmesse – die Grundlage für Jahrhunderte als Handelsplatz. 1245 wird Frankfurt unmittelbare Reichsstadt, dem Kaiser direkt unterstellt.
- 1356
Goldene Bulle
Das Reichsgesetz Karls IV. legt Frankfurt als ständigen Ort der Königswahl fest. 1372 erwirbt die Stadt vom Kaiser den Stadtwald, und 1405 kauft der Rat die Bürgerhäuser „Römer“ und „Goldener Schwan“ – seither ist der Römer das Rathaus.
- 1562
Krönungsstadt
Mit Maximilian II. wird erstmals ein Kaiser in Frankfurt gekrönt. Bis 1792 finden hier zehn Kaiserkrönungen statt, die letzte für Franz II. Der Weg vom Dom zum Römer, der „Krönungsweg“, wird zur Bühne des Reiches. Seit dem 15. Jahrhundert ist Frankfurt zugleich Deutschlands wichtigster Umschlagplatz für Bücher.
- 1749
Goethe
Am 28. August 1749 wird Johann Wolfgang Goethe im Haus am Großen Hirschgraben geboren. Das Goethe-Haus ist heute Museum; Frankfurts Universität trägt seit 1932 seinen Namen.
- 1815
Freie Stadt
Nach dem Ende des Alten Reichs (1806) und einer kurzen Episode als Hauptstadt des napoleonischen Großherzogtums Frankfurt (ab 1810) erklärt der Wiener Kongress Frankfurt zur souveränen Freien Stadt. Ab 1816 tagt hier der Bundestag des Deutschen Bundes im Palais Thurn und Taxis.
- 1848
Paulskirche
Vom 18. Mai 1848 bis zum 31. Mai 1849 tagt in der Paulskirche die Frankfurter Nationalversammlung – das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland. Die hier erarbeitete Paulskirchenverfassung scheitert, bleibt aber Vorbild für spätere Verfassungen.
- 1866
Preußen
Nach dem Deutschen Krieg besetzt Preußen die Stadt und annektiert sie am 3. Oktober 1866. Frankfurt verliert seine Souveränität, wächst aber als Industrie- und Handelsstadt: 1888 öffnet der Hauptbahnhof, 1914 die Universität.
- 1944
Zerstörung
Die Luftangriffe vom 18. und 22. März 1944 vernichten die mittelalterliche Altstadt fast vollständig; rund 90.000 der 177.600 Wohnungen der Stadt werden zerstört. Ende März 1945 besetzen amerikanische Truppen die Stadt.
- 1948
Wiederaufbau
Am 18. Mai 1948, zum hundertsten Jahrestag der Nationalversammlung, wird die wiederaufgebaute Paulskirche als „Haus aller Deutschen“ eröffnet. 1949 unterliegt Frankfurt bei der Wahl der Bundeshauptstadt knapp gegen Bonn; im selben Jahr kehrt die Buchmesse in die Paulskirche zurück. Der Römer wird bis 1952 äußerlich rekonstruiert, 1955 wiedereröffnet.
- 1998
Europäische Zentralbank
Am 1. Juni 1998 nimmt die Europäische Zentralbank im Frankfurter Eurotower ihre Arbeit auf. Seit November 2014 residiert sie im Neubau im Ostend. Frankfurt wird endgültig zur Finanzmetropole Kontinentaleuropas.
- 2018
Neue Altstadt
Auf dem Gelände des abgerissenen Technischen Rathauses entsteht zwischen Dom und Römer ein neues Quartier mit 35 Häusern, darunter 15 Rekonstruktionen historischer Bauten. Am 9. Mai 2018 wird es vollständig zugänglich; vom 28. bis 30. September feiert die Stadt die Eröffnung mit einem Altstadtfest.
Quellen: Historisches Museum Frankfurt; Stadt Frankfurt am Main; Wikipedia, „Geschichte der Stadt Frankfurt am Main“, „Freie Stadt Frankfurt“, „Paulskirche (Frankfurt am Main)“, „Luftangriffe auf Frankfurt am Main“, „Römer (Frankfurt am Main)“, „Neue Frankfurter Altstadt“, „Frankfurter Buchmesse“, „Europäische Zentralbank“.
Die Buchmesse: 500 Jahre Handel mit Gedrucktem
Schon im 12. Jahrhundert wurden auf den Frankfurter Messen handgeschriebene Bücher verkauft. Nachdem Gutenberg im nahen Mainz den Buchdruck mit beweglichen Lettern entwickelt hatte, entstand hier binnen weniger Jahrzehnte die wichtigste Buchmesse Europas – spätestens 1462 ist sie belegt. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert war Frankfurt der zentrale Umschlagplatz für das gedruckte Buch, ehe Leipzig die Rolle übernahm.
Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte die Stadt an diese Tradition an: Vom 18. bis 23. September 1949 fand in der Paulskirche die erste Buchmesse der Nachkriegszeit statt, mit 205 deutschen Ausstellern. Heute ist die Frankfurter Buchmesse, veranstaltet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, gemessen an der Zahl der vertretenen Verlage die größte Buchmesse der Welt. Zu ihrem Abschluss wird in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.