Der Fluss und seine Ufer
Der Main gab der Stadt ihren Namen und ihre Lage. Heute reihen sich an seinen Ufern Brücken aus drei Jahrhunderten, Parks – und eine Museumsmeile, die zu den dichtesten Europas gehört.
527 Kilometer bis zum Rhein
Der Main ist mit 527 Kilometern Fließstrecke der längste rechte Nebenfluss des Rheins. Seine Quellflüsse, der Weiße Main im Fichtelgebirge und der Rote Main in der Fränkischen Alb, vereinigen sich bei Kulmbach; von dort fließt er in großen Schleifen durch Franken, Unterfranken und das Rhein-Main-Gebiet, bevor er zwischen Ginsheim-Gustavsburg und Mainz-Kostheim in den Rhein mündet. Sein Einzugsgebiet umfasst rund 27.300 Quadratkilometer. Die letzte Staustufe vor der Mündung liegt in Kostheim.
In Frankfurt teilt der Fluss die Stadt in das nördliche Ufer mit Altstadt, Bahnhofsviertel und Bankenviertel – im Frankfurter Dialekt „hibbdebach“, diesseits des Bachs – und das südliche mit Sachsenhausen, „dribbdebach“. Die Furt, an der man den Main in fränkischer Zeit durchqueren konnte, gab der Siedlung ihren Namen: Franconofurd, die Furt der Franken.
Drei Übergänge, drei Epochen
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Alte Brücke
Die älteste Mainbrücke der Stadt, 1222 erstmals urkundlich erwähnt und bis Mitte des 19. Jahrhunderts die einzige steinerne Brücke am Unterlauf des Mains. Die heutige „Neue Alte Brücke“ wurde 1926 eingeweiht und 2014 saniert. Ihr Wahrzeichen ist der Brickegickel, ein vergoldeter Hahn auf einem Kruzifix.
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Eiserner Steg
Die Fußgängerbrücke zwischen Fahrtor (Altstadt) und Sachsenhausen wurde von Bürgern finanziert: Ein 1867 gegründeter Verein gab Anteilsscheine aus, am 29. September 1869 wurde der Steg eingeweiht. 1912 wurde er höher gelegt und verbreitert, in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengt und 1946 unverändert wieder aufgebaut. Über dem nördlichen Strompfeiler steht seit dem Goethejahr 1999 ein griechisches Zitat aus Homers Odyssee.
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Holbeinsteg
Der jüngste Fußgängersteg verbindet Untermainkai und Bahnhofsviertel mit dem Schaumainkai am Museumsufer. Die 210 Meter lange Hängebrücke mit 142 Metern Stützweite entstand nach Plänen von Albert Speer jr.; die Tragwerksplanung lag beim Ingenieurbüro König und Heunisch.
Das Museumsufer
Die Idee stammt von Hilmar Hoffmann, dem langjährigen Kulturdezernenten der Stadt, der sie 1977 im Kommunalwahlkampf vorstellte: eine Museumsmeile an beiden Mainufern, die alte Villen am Schaumainkai mit Neubauten namhafter Architekten verbindet. Zwischen 1980 und 1990 wurden die bestehenden Häuser erweitert und neue gebaut. Seit 2007 treten die Häuser unter der gemeinsamen Marke „Museumsufer Frankfurt“ auf; der Verbund zählt heute 39 Museen und Ausstellungsräume in der ganzen Stadt.
Südufer: der Schaumainkai
Am Sachsenhäuser Ufer liegen, mainabwärts gelesen, das Ikonen-Museum, das Museum Angewandte Kunst (Neubau von Richard Meier, 1985, mit der klassizistischen Villa Metzler; rund 65.000 Objekte aus fünf Jahrtausenden), das Museum der Weltkulturen, das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum (gegründet 1984), das Deutsche Architekturmuseum, das Museum für Kommunikation, das Städel, das Liebieghaus und das Museum Giersch der Goethe-Universität.
Das Städel Museum ist das älteste und bedeutendste unter ihnen. Es geht auf das Testament des Bankiers Johann Friedrich Städel vom 15. März 1815 zurück und bezog 1878 den eigens errichteten Galeriebau am Schaumainkai. Die Sammlung umfasst rund 3.100 Gemälde, über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie mehr als 5.000 Fotografien – 700 Jahre Kunstgeschichte von der Gotik bis zur Gegenwart. 2012 wurden unter dem Garten die „Gartenhallen“ eröffnet, rund 3.000 Quadratmeter für die Kunst nach 1945, deren Oberlichter als grüne Hügel im Städelgarten sichtbar sind.
Das benachbarte Liebieghaus, eine 1896 erbaute Villa, ist seit 1909 Skulpturenmuseum: Rund 3.000 Bildwerke spannen den Bogen über 5.000 Jahre, vom alten Ägypten über Antike und Mittelalter bis zum Klassizismus.
Nordufer und Altstadt
Am nördlichen Ufer gehören das Jüdische Museum am Untermainkai und das Historische Museum am Mainkai zum Verbund. Zwei weitere Häuser liegen nicht direkt am Fluss, aber nur wenige Schritte entfernt in der Altstadt: Die Schirn Kunsthalle (1986) nahe dem Römerberg ist ein Ausstellungshaus ohne eigene Sammlung mit 2.000 Quadratmetern Fläche, das Museum für Moderne Kunst (1991) von Hans Hollein an der Domstraße wird wegen seines dreieckigen Grundrisses „Tortenstück“ genannt und bewahrt mehr als 5.000 Werke der Kunst seit den 1960er-Jahren.
Das Senckenberg Naturmuseum gehört zu den beliebtesten Museen der Stadt, liegt aber nicht am Ufer, sondern an der Senckenberganlage im Westend. Es geht auf die 1817 gegründete Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft zurück; das heutige Gebäude wurde 1907 eingeweiht. Auf rund 6.000 Quadratmetern zeigt es unter anderem 18 Dinosaurierarten – die umfangreichste Dinosaurierausstellung Deutschlands.
Museumsuferfest
Seit 1988 verwandelt sich das Ufer jedes Jahr am letzten Augustwochenende in eine drei Tage lange Kulturmeile: Bühnen, Stände und offene Museen auf beiden Seiten des Flusses, eine Drachenbootregatta auf dem Main und zum Abschluss am Sonntagabend ein Feuerwerk. Mehr als drei Millionen Menschen besuchen das Museumsuferfest jährlich.
Grün am Fluss: Mainuferpark und Nizza
Die Uferwiesen in Sachsenhausen zwischen Eisernem Steg und Friedensbrücke sind der Park der Stadt: Rasenflächen, Platanenreihen und der Blick auf die Skyline machen den Mainuferpark zum Treffpunkt an Sommerabenden. Auf der Nordseite liegt zwischen Untermainbrücke und Friedensbrücke das Nizza, eine 4,42 Hektar große Anlage, die der Stadtgärtner Sebastian Rinz 1860 auf einer ehemaligen Maininsel als Abschluss der Wallanlagen anlegen ließ. Dank der windgeschützten Südlage und der Wärme des Flusses gedeihen hier Palmen, Feigen und Zitrusbäume – das milde Mikroklima gab dem Park seinen Namen nach der Stadt an der Côte d’Azur.
Quellen: Städel Museum; Museumsufer Frankfurt; Wikipedia, „Main“, „Eiserner Steg (Frankfurt am Main)“, „Alte Brücke (Frankfurt am Main)“, „Holbeinsteg“, „Museumsufer“, „Städelsches Kunstinstitut“, „Liebieghaus“, „Museum für Moderne Kunst“, „Schirn Kunsthalle Frankfurt“, „Senckenberg Naturmuseum“, „Museumsuferfest“, „Nizza (Frankfurt am Main)“.